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Echter Hausschwamm - Serpula lacrymans

Weitere Gefahren durch holzzerstörende Pilze

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Wird feuchtes Holz in ungelüfteten Kellerräumen eingelagert, kann von ihm eine erhöhte Gefahr ausgehen, wenn es mit holzzerstörenden Gebäudepilzen befallen ist. Von einer derartigen Nährstoffbasis kann sich dann z. B. der Hausschwamm ausbreiten (WÄLCHLI 1980). Gleiches gilt analog für feuchte, stickige "Wohnräume". Alle Gegenstände aus Holz und cellulosehaltigen Materialien können vom Mycel des Echten Hausschwammes und anderer holzzerstörender Pilze bewachsen werden (SCHMIDT 1994). Dies bedeutet, dass die Mycelien in den Gegenstand eindringen und versteckt innerhalb des Holzes wachsen. Von außen sind derartige Befallsanfänge nur selten zu erkennen, weshalb sie lange Zeit unbemerkt bleiben und sich ausbreiten können (FALCK 1909).

Gegenstände mit Celluloseanteil wie Möbel, Bücher, Matratzen und anderes können nur dann befallen werden, wenn eine "Holzfeuchtigkeit" von mehr als 20% vorliegt (GROSSER 1985). Eine derartige Holzfeuchtigkeit stellt sich in Räumen mit einer permanenten Luftfeuchtigkeit von über 90% ein. Eine derartig hohe Luftfeuchtigkeit sollte in Innenräumen nur sehr kurzzeitig, beim Duschen oder Kochen auftreten. Somit dürften freistehende Möbel nur äußerst selten und unter extremen Bedingungen befallen werden. Häufiger werden Möbel befallen, wenn sie eingelagert sind, dies aber auch nur, wenn das Lagergut feucht und gleichmäßig kühl steht und nicht belüftet wird. Werden derartig befallene Möbel in normale Wohnräume mit normalem Wohnklima (durchschnittlich 40-70% r. L. und 18-22 °C) gestellt, geht von ihnen eine sehr geringe Gefahr der Ansteckung für das Gebäude oder andere Möbel aus, wenn es sich um freistehende oder gut hinterlüftete Möbel handelt. Allerdings sollten Möbelstücke untersucht werden, auf denen sich bereits Fruchtkörper gezeigt haben (Bild, 40 KB), denn die Fruchtkörper sind ein sicheres Zeichen dafür, dass eine massive Holzzerstörung schon eingetreten, möglicherweise aber noch nicht direkt sichtbar geworden ist. Zumindest muss bei derartigen Objekten eine Stabilitätsprüfung erfolgen. Sollen die Möbel weiter eingelagert bleiben oder besitzen sie einen besonderen Wert, so ist zu überlegen, ob eine Hitze- oder Gasbehandlung (Begasung mit Kohlendioxid, Stickstoff, Cyanwasserstoff (Hydrogencyanid als wässrige Lösung = Blausäure), Formel = HCN (T = toxisch N), Phosphorwasserstoff = Phosphin, Formel = PH3 (T) u. a.) sinnvoll und nötig ist (UNGER 1990, SUTTER 1997). Dies lohnt sich naturgemäß nur bei besonderen Objekten und wird von einigen spezialisierten Fachfirmen angeboten. Einige der eingesetzten Mittel zur Gasbehandlung sind hoch giftig (STREIT 1992). Anders ist die Situation bei Einbaumöbeln, insbesondere bei Küchen. Sie werden oft so eingebaut, dass eine Hinterlüftung nicht möglich ist. Wird ein derartig befallenes Möbelstück (z. B. bei einem Umzug) aus- und anschließend unter gleichen Bedingungen wieder eingebaut, wächst der Holzzerstörer nach dem Erreichen der nötigen Holzfeuchtigkeit weiter. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob es sich bei dem "Weiterwachsen" immer noch um den gleichen Befall handelt. Es ist durchaus möglich, dass der ursprüngliche Befall durch das massive Lüften beim Ausbau und dem Transport abstirbt und sich nach dem Wiederherstellen der feuchten Bedingungen ein neuer Befall bildet. Derartige "Neubefälle" lassen sich vermeiden, wenn bei der Montage der Einbaumöbel auf die nötige Luftzirkulation (dauerhafte, offene Hinterlüftung zum Wohnraum) geachtet wird.

Interessant sind Befälle, bei denen Möbelstücke nur die Grundlage für die sich bildenden Fruchtkörper sind. Fruchtkörper des Echten Hausschwammes müssen nicht direkt an der Stelle erscheinen, an denen die Mycelien das Holz abgebaut haben (JENNINGS & WATKINSON 1982). Die Stränge einiger holzzerstörender Pilze können Mauerwerk meterweit durchdringen und Fruchtkörper auf Mauern, Putz oder den Rändern von Kunststoffböden, oft weit entfernt vom zerstörten Holz, bilden. Im Falle der Möbel kann deren Holz dann zum einen als Träger der Fruchtkörper, zum anderen aber auch als Nährstoffquelle dienen.

Problematisch können dicht lackierte (beschichtete) Holzgegenstände (Bild, 44 KB) sein. Ist die Holzfeuchtigkeit durch die Aktivität holzzerstörender Pilze erst einmal angestiegen, kann sie durch die Lackschicht schlecht wieder abziehen und die Holzzerstörung schreitet schnell voran. Bei befallenen, beschichteten Gegenständen bietet sich dann eine Heißluftbehandlung an. Ist die Beschichtung aber unversehrt und das Holz trocken, war der Gegenstand wahrscheinlich "nur" Fruchtkörperträger und ist unbeschädigt geblieben.

Folgerungen: Freistehende, nicht beschichtete (diffusionsoffene) Holzmöbel können nach Säuberung und bestandener Stabilitätsüberprüfung in gut gelüfteten Wohnräumen (16-24°C, 0-75% r. L.) gefahrlos wieder aufgestellt werden. Gleiches gilt für gut hinterlüftete, diffusionsoffene Einbaumöbel. Allerdings ist hier die Gefahr einer Wiederbefeuchtung an unzugänglichen Stellen und damit eines "Neubefalls" etwas größer (Leckagen, Kondensationen, eindringendes Frischwasser etc.). Dieser Gefahr kann jedoch durch Aufmerksamkeit begegnet werden. Dies bedeutet, dass entstehenden Wasserflecken sofort auf den Grund gegangen, die Abdichtungen von Installationen regelmäßig überprüft und Ursachen von Schimmelbildung beseitigt werden müssen. Allerdings kann die Montage eines derart "vorbelasteten" Stückes vor einer kalten Außenwand nicht empfohlen werden, da hierzu Untersuchungen fehlen. - zurück zur ersten Seite des Rundganges

Autor: T. Huckfeldt


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